Wer den Sand in den Kopf steckt ...

4. Juni 2014

Der deutsche Fußball ist immer noch Weltklasse. Einzelne Akteure haben hin und wieder Schwierigkeiten, dieses Niveau zu halten. Die Kommunikation des größten Fußballverbandes der Welt spielt dagegen dauerhaft in der Kreisklasse. Derart divergierende Kräfte in einem Unternehmen führen meist in schwere See.

Nachdem die Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß wochenlang Titelseiten und Talkshows beschäftigte, stieg seine Steuerschuld innerhalb weniger Tage vor Gericht von 3,5 Mio Euro auf über 27 Mio Euro. Es folgten Urteil, Haft - und am Ende gar die Rückkehr eines Straftäters ins Präsidentenamt von Bayern München?

Am Ende der Saison waren die Bayern nicht nur mit großem Abstand Meister geworden, nein auch der Pokal ging noch nach München. Kevin Großkreutz, dem eine Mitschuld an der Niederlage Dortmunds angelastet wurde, ertränkte den Frust in reichlich Alkohol. Dann pinkelte er gegen die Säule in der Lobby eines Berliner Hotels, dessen Name Menschen mit schwerer Zunge entgegenkommt: Berlin Berlin…

Jogi Löw raste, sicherlich meist im Dienste der Nationalmannschaft, über Straßen und Autobahnen, gerne auch mit dem Telefon in der Hand. So schaffte er es auch in Flensburg in die  Spitzengruppe: 18 Punkte und der Führerschein ist zum zweiten Mal weg.

In einer Umgebung, in der Teile der Klientel sich darauf spezialisiert haben, die Stadioneinrichtung zur zerlegen oder marodierend durch Innenstädte zu ziehen, darf man in solchen Vorfällen durchaus etwas Branchenspezifisches erkennen. Dagegen steht jedoch der dauerhafte Versuch, das Gewerbe durch Vorbildfunktion und Botschafterstatus mit gesellschaftlicher Bedeutung aufzuladen.

Bei diesem Spagat läuft die Kommunikation nur selten zu Höchstleistungen auf. Im Fall Hoeneß bedienen sich befreundete Fans und Funktionäre der fein abgezirkelten Persönlichkeitsspaltung. Abscheu über den Steuerhinterzieher, aber die Lebensleistung plus soziales Engagement des Uli machen ein Comeback des Ex-Bayernpräsidenten möglich.

Kevin Großkreutz muss 60 000 Euro Strafe zahlen und sich nüchtern der Demütigung einer Entschuldigungs-Pressekonferenz unterziehen. Weitere Sanktionen drohen. Im Falle Jogi Löw übernimmt das der Manager Oliver Bierhoff mit dem launigen Hinweis, der Sponsor werde dem Nationaltrainer nach Ablauf seiner Sperre nur noch „Autos mit Tempolimit“ zur Verfügung stellen.

Damit folgt die Krisenkommunikation den einfachen Regeln der Branche:“So ist Fußball, aber die Wahrheit liegt auf dem Platz.“ Es mag zwar abseits des grünen Rasens – in Gerichtssälen, Hotellobbys und auf den Straßen – als konsequent erscheinen, Nachsicht zu üben bei Funktionären und Trainern, Spieler aber hart ranzunehmen. Konsistent ist es nicht. Konsistenz ist aber eines der wichtigen Merkmale auf dem Weg aus der Krise.

Das ist kein Plädoyer für das Urinieren in aller Öffentlichkeit, aber für das Anlegen der gleichen Messlatte bei Steuerhinterziehung und Gefährdung des Straßenverkehrs. Wer weiterhin den Sand in den Kopf steckt, wird kaum die notwendige Ruhe in den Kader bekommen. Und das ist eine schlechte Ausgangsvoraussetzung bei einer Weltmeisterschaft – selbst für eine Turniermannschaft.