VW muss in die Relegation

Juli, 2017

Die Fans des VFL Wolfsburg konnten ihr Glück kaum fassen: Zuerst hatte die 100prozentige Tochter des Volkswagenkonzerns in der zurückliegenden Bundesligasaison die Spannung bis ins Unerträgliche gesteigert. Nach vielen Monaten am Tabellenende sicherte sie sich erst im Relegationsspiel gegen Braunschweig den Verbleib in der ersten Liga. Jetzt kaufte VW die Fußball-Nationalmannschaft.

Nun muss man wahrscheinlich zugestehen, dass es den Kommunikationsfachleuten von VW nicht ausschließlich um diese Art von Spannungsbogen bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland ging. Immerhin zahlten sie, wie es heißt, 25 bis 30 Millionen Euro jährlich an den DFB. Das ist etwa das Dreifache dessen, was Daimler Benz bislang für das Logo auf den Nationaltrikots ausgab. Aber um eine mehr als 40 Jahre währende Partnerschaft der Premiumkollegen aus Stuttgart mit der ehrenwerten Gesellschaft aus Frankfurt zu beenden, ist ein bisschen Engagement schon angebracht.

Tatsächlich setzen die Car Guys auf die segensreiche Wirkung des Imagetransfers. Mit dem weltweiten VW-Skandal, der in Wolfsburg unter dem Stichwort „Diesel-Thematik“ läuft, fiel der Markenwert von VW um fast zehn Prozent auf 11 Milliarden Dollar und der Konzern im weltweiten Markenranking auf Platz 40. Weit mehr als 20 Milliarden Euro wird Schätzungen zufolge der Konzern allein in den USA zahlen müssen.

Die Kosten für den Trikot-Wechsel erscheinen da geradezu als Schnäppchenpreis. Bedauerlicherweise funktioniert die Gleichung „Minus mal Minus ergibt Plus“ aber nur in der streng rationalen Welt der Mathematik. Die semantische Verniedlichung des Diesel-Skandals wird die VW-Leute genauso wenig weiterbringen wie den DFB die Abwiegelungs-Taktik rund um das gekaufte Sommermärchen. Das Negativ-Image auf beiden Seiten wird durch flächendeckendesTotschweigen und Eingeständnisse dessen, was Journalisten und Staatsanwälte zutage fördern, ordentlich beflügelt.

Lässt es also hoffen, wenn DFB-Präsident Reinhard Grindel sagt: "Auch wenn die Vorgänge nicht vergleichbar sind, eint den DFB und VW die Notwendigkeit, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und die richtigen Maßnahmen für die Zukunft abzuleiten"?

Wenn das Dreifache der Sponsoren-Summe als richtige Maßnahme gilt, eher nicht. Der Versuch, die Abgründe mit Geld einzuebnen, wird den guten Ruf nicht wiederherstellen und das Geschäft nicht retten.

Die Alternative: Die Verantwortlichen übernehmen die Verantwortung und decken auf statt zu verschwiemeln. Statt juristischer Hackentricks wird Schaden ersetzt, der entstanden ist. Da wären 30 Millionen schon mal ein schöner Anfang.

Ansonsten schafft VW es nicht einmal in die Relegation.