Grillen mit Gabriel

18. August 2015

Zwischen Sommertheater und Schmierenkomödie liegt oft nur ein schmaler Grat. Die Saison in diesem Jahr hat Thorsten Albig, Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, mit einer originellen Analyse zur Lage der SPD eröffnet. Darauf reagierte die Partei jetzt mit einer überraschenden Personalie. Hatte Albig seiner Partei kaum verschlüsselt geraten, wegen des großen Erfolges von Angela Merkel auf einen eigenen Spitzenkandidaten zu verzichten, soll nun der in Essen und Umgebung berühmte PR Profi Thomas Hüser den guten Rat aus dem Norden in die Tat umsetzen.

Innerhalb und außerhalb der SPD glaubten viele den Schleswig-Holsteiner Albig vom Meer umschlungen, als er seine Attacke gegen die eigene Partei ritt. Doch der frühere Sprecher in Steinbrücks Finanzministerium, und damit nach landläufiger Ansicht auch ein PR Profi, hatte für sich ein wichtiges Branchenziel erreicht: Er war in aller Munde - wenn auch nach dem Motto „Egal ob gut oder schlecht, Hauptsache sie schreiben meinen Namen richtig.“

Mit dem Kollegen Hüser scheint die SPD-Führung in Gestalt von Sigmar Gabriel den Faden von Albig jetzt doch wieder aufzunehmen. Nachdem der Spiegel gemeldet hatte, auf Vorschlag des Genossen Bodo Hombach werde der PR Mann aus Essen künftig der SPD-Vorsitzenden beraten, verschwand die Personalie erst einmal im Sommerloch. Dabei war die Meldung schon ordentlich intoniert: Müser war CDU-Mitglied und verfüge über beste Kontakte zu konservativen und katholischen Kreisen im Ruhrgebiet.

Kaum Resonanz und kein Beifall – das darf einem PR Profi natürlich nicht passieren. So richtete Hüser am Wochenende die Scheinwerfer erst einmal auf sich, unter anderem in der Welt und der Süddeutschen Zeitung. Er sei, so schwadroniert er, zehn Jahre CDU-Mitglied gewesen und gar nicht unzufrieden damit. Sein Austritt im Mai sei nur ein Zeichen der inneren Hygiene.

Gabriel sei erst kürzlich bei ihm zum Grillen vorbeigekommen, mit dessen Sprechern duze er sich bereits. Einen Workshop in der SPD-Zentrale habe er schon organisiert und noch eine Menge guter Ideen in der Pipeline. Er lobt Gabriels deutliche Haltung zum Thema Griechenland und dessen Dialog mit Til Schweiger. Er zitiert hin und wieder seinen Vater Herbert Hüser („Bergmann und Politanalytiker“) und empfiehlt der SPD für den Wahlkampf 2017 einen „mehrspännigen Kampfwagen“ mit dem Kanzlerkandidaten sowie Politikern aus Land und Bund an der Spitze. Und, er solle besonders den Online-Medien-Auftritt der SPD aufpeppen.

Seinen Eintrag auf Gabriels Facebook-Seite im Dezember 2014 erwähnt er allerdings nicht. Den zitiert die Welt genüsslich: Darin holpert Hüser gegen Gabriels Haltung zu rot-rot-grün (…und schalmeien gemeinsam in der rot-rot-grünen Einheitsfront“) um ihm dann zu prophezeien „Gabriel wird beim nächsten Mal wieder 20 Prozent plus X einfahren…und das ist auch gut so…“.

Falls die SPD nun weder dem Rat von Thorsten Albig folgen, noch beraten von Herbert und Thomas Hüser weiter Richtung Abgrund schliddern will, wäre es - nach Rücküberweisung des PR-Profis an die CDU - Zeit für einige Basta-Entscheidungen: Ordentliche Recherche vor Personalentscheidungen auch in einem Medium namens Internet, es spricht der Vorsitzende und nicht der Berater und Bodo Hombach denkt künftig wieder an einen Spruch aus dem unendlichen Reservoir seines früheren Chefs Johannes Rau: „Ratschläge können auch Schläge sein.“