Frauenquote à la Hamburg-Mannheimer

27. Mai 2011

Die Diskussion um eine Quote für Frauen in Führungspositionen wird in Deutschland teilweise mit harten Bandagen, aber auch mit vielen vernünftigen Argumenten auf beiden Seiten geführt. Nun hat die Hamburg-Mannheimer (heute Ergo) den gesellschaftlichen Diskurs um eine ganz eigene Variante bereichert.

Die Zahlen schwanken, die Details sind genüsslich ausgewalzt, das System galt als ausgeklügelt. Für die besten Verkäufer standen in der berühmten Budapester Gellert-Therme 80 Damen und eine Reihe von Himmelbetten bereit. Für die Besten der Besten (Top five) und die Führungsriege des Unternehmens waren 20 der weiblichen Gäste reserviert, gekennzeichnet mit weißen Armbändern. Für geleistete Dienste wurden sie auf dem Unterarm abgestempelt. Die Quote beeindruckt.

Verblüffender aber ist, wie naiv und unkontrolliert Unternehmen sich immer wieder in solche Image-Desaster manövrieren. Jahrzehntelang gab der nette Herr Kaiser Auskunft über das Selbstbild der Hamburg-Mannheimer. Erst vor kurzem wurde er abgelöst von jenem smarten Softie mit Dreitagebart, der lieber versichert als verunsichert werden möchte. Damit positioniert sich das Unternehmen auf einer Werte-Skala, auf der Incentive-Orgien mit Prostituierten keinen Platz haben. Der Aufschlag ist hart, für den Schaden kommt keine Versicherung auf.

Nun folgt, mit Verlaub, nicht der Ruf nach moralischen Standards. Beim Thema Prostitution bewegt sich der gesellschaftliche Comment auf einem schmalen Grat zwischen Tabu und Realität, der allzu oft in die Heuchelei führt. Unterhalb dieser Ebene müssen sich die verschiedenen Abteilungen bei Ergo mit ganz unterschiedlichen Fragen beschäftigen, die nach innen wie nach außen wirken: Was für ein Frauenbild haben wir im Unternehmen? Wie motivieren wir unsere Mitarbeiter? Wie begegnen wir künftig unseren weiblichen Beschäftigten? Wie schaffen wir Vertrauen in unseren Umgang mit den uns anvertrauten Milliardensummen unserer Kunden etc?

Prima Vista hat die Kommunikationsabteilung bei der Reaktion auf die hausgemachte Krise gute Arbeit geleistet. Sprecher haben die Vorgänge im Wesentlichen ohne Beschönigung bestätigt. Auch der Vorstandsvorsitzende ging weitgehend unter Verzicht auf Verharmlosung oder Verschleierung in die Offensive. Im Spiegel-Interview zeigte er Reue, versprach Konsequenzen und gelobte Besserung.

Damit hat Ergo gezeigt, dass man es besser machen kann als etwa BP, die Deutsche Bahn oder die japanische Tepco. Deutlich wird aber, dass ein gutes Krisenmanagement ohne Prävention und Issues-Management höchstens Schaden begrenzen, aber nicht abwenden kann.

Wichtigste Voraussetzung, um Probleme im Vorfeld in den Griff zu bekommen, ist eine Unternehmenskommunikation, die auf Augenhöhe mit den anderen Abteilungen und dem Vorstand agiert und nicht, wie noch in vielen Unternehmen, als nice-to-have betrachtet wird. Ausgestattet mit dem notwendigen handwerklichen und geistigen Instrumentatrium, muss sie eingebunden werden in alle Vorgänge, die sich auf das Ansehen des Unternehmens auswirken können – nach innen und außen.

Nun gehören Incentives gewöhnlich zum Eventbereich, der in der Regel in der Kommunikation ressortiert. Die Budapester Orgie kann zumindest nicht völlig an den PR-Leuten vorbeigegangen sein, weil in der Mitarbeiter-Zeitschrift „Profil“ augenzwinkernd (“Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht”) darüber berichtet wurde. Wenn sich aber im Rest der Company, aus welchen Gründen auch immer, die rechten Maßstäbe verschieben, dann müssen die Profis in der Unternehmenskommunikation die Leitplanken ziehen – nicht als Moralapostel sondern in der Verantwortung für das Image und die Reputation des Unternehmens.